Die letzte Staffel des „Bachelors“ ging gerade erst zu Ende. In der auf RTL ausgestrahlten Sendung buhlt eine Vielzahl von jungen Frauen um die Gunst eines akademischen Schönlings. Klar ist, nur eine kann dabei gewinnen. Wenig Angebot, viel Nachfrage. Ein klassisches Oligopol. Die Volkswirtschaftslehre zeigt uns, dass dieses Konstrukt eigentlich nur eines bedeutet. Die (wenigen) Anbieter bestimmen den Preis. Beim Bachelor versuchen die Anwärterinnen alles, um durch ansprechendes Aussehen, tiefgründige Gespräche beim Einzeldate oder eigens geplante Intrigen die Konkurrenz auszustechen und gleichzeitig in der Gunst ihres Schwarms zu steigen – solange bis nur noch eine „Rose“ übrig ist.

Nicht selten resultiert daraus ein Machtkampf unter den Anwärterinnen, welcher geprägt ist von Missgunst, Tränen, Neid und menschlichem Leid. Wenn wir Sie hier noch nicht zum Weiterblättern verleitet haben, liebe Leserinnen und Leser, und Sie sich so langsam fragen, was dieser Artikel mit kommunaler Politik zu tun hat, so wollen wir dies nun auflösen. Die Rede ist vom Wohnen in Gerlingen.

Wer in den letzten Jahren auf Wohnungssuche war und dabei kein grenzenloses Budget besaß, kennt das Problem. Denn allzu oft endet ein solcher Suchvorgang mit einem Korb – ohne Rose. Und auch die negativen Gefühle im Falle einer Absage belasten. Ist doch die Suche nach der großen Liebe für viele ähnlich existenziell wie ein bezahlbares Zuhause. Dabei ist die Schaffung (und Wahrung) von Wohnraum für alle Gesellschaftsschichten in unserer Region eine DER Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte. Aber, um bei akademischen Abschlüssen zu bleiben, einen Master(-plan) haben auch wir noch nicht. Das liegt aber an der Sache selbst. Das einzig plausible Mittel, das kurzfristig gegen teure Mieten bei gleichbleibender Nachfrage hilft, ist die Erhöhung des Angebots. Aber dabei sollen die Häuser doch auch bitteschön nicht zu hoch oder zu dicht gebaut werden und schon gar nicht erst auf Kosten unserer Gerlinger Naherholungs- und Nutzflächen wie dem Wald oder dem fruchtbaren Ackerland gehen. Doch was dann? Subvention? Genossenschaftlicher Wohnungsbau? Eine Gerlinger Wohnungsvermittlungsstelle? Neue Vorschriften für die (wenigen) neuen Baugebiete? Maßnahmen wie beispielsweise Bußgelder, gegen die Zweckentfremdung von Wohnraum, wie sie in anderen Städten bereits umgesetzt sind?

Es gibt Ansätze, die wir verfolgen wollen. Dabei wissen auch wir, dass die von uns initiierte Studenten-WG keine Lösung des generellen Problems darstellt. Wir als Junge Gerlinger werden uns jedoch auch weiterhin dafür einsetzten, dass das Leben in unserer Stadt für alle Menschen die gerne hier wohnen oder wohnen wollen bezahlbar wird oder bleibt. Dafür sind wir für alle konstruktiven Vorschläge offen. Fakt ist, Kompromisse werden wir finden müssen, um die Attraktivität Gerlingens für alle zu erhalten, unabhängig vom Alter, des Gehalts, der Herkunft oder dem sozialen Stand.

Denn wir wollen, dass jeder, der eine Rose will, diese auch bekommt – egal ob alleinerziehende Mutter, Student oder Geschäftsführer. Ein Zuhause braucht jeder.

Robin Kruck und Timo Lutz