„Zwei Jugendbewegungen, die nicht mehr von Politikern hören wollen, dass sie die Welt noch nicht verstünden. Es ist auch ihre Welt. Sie haben das Recht, sie mitzugestalten – bei der Europawahl und bei allen Wahlen danach.“ – das schreibt Simon Hurtz am 28.03. in der Süddeutschen Zeitung über die Fridays for future-Bewegung und die Demonstrationen gegen Artikel 13 der EU-Urheberrechtsreform. Uns Junge Gerlinger beeindruckt das Engagement, mit dem zahlreiche junge Menschen sich derzeit in politische Debatten einmischen. Sie wollen gehört und ernstgenommen werden, denn auch die junge und jüngste Bevölkerung hat wertvolle Ideen und Anregungen. Genau aus diesem Grund wurden vor 10 Jahren die Jungen Gerlinger gegründet.

Unser Ziel war und ist es, die Interessen eines Teils der Bevölkerung hörbar zu machen, der im Gerlinger Stadtrat lange stark unterrepräsentiert war. Anders als viele andere junge Gruppierungen, setzen wir uns dabei mit der vollen Breite der kommunalpolitisch relevanten Themen auseinander, statt reine Klientelpolitik zu machen, die nur die Umsetzung einzelner jugendrelevanter Maßnahmen verfolgt und andere Lebensbereiche ausblendet. Die Sanierung des Jugendhauses und der dringend notwendige Umzug der Büros von JGR und SJR werden bei uns ebenso ernsthaft und umfassend diskutiert, wie die Gerlinger Stadtentwicklung, der aktuelle Haushalt, Mobilität, Parken, der Umgang mit Gerlinger Naherholungsgebieten u.v.m. Das zeichnet uns aus und darauf sind wir stolz.

Eine Herausforderung begleitet uns nun aber schon unsere gesamte Tätigkeit lang: vielen Mitbürger*innen (nicht nur, aber insbesondere jüngeren) fehlt ein Ort, an dem man sich zwanglos und unkompliziert treffen kann, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Die Gerlinger Gastronomie bietet zwar viele Möglichkeiten, ist aber gleichzeitig an Öffnungszeiten und den Verzehr von Speisen oder Getränken geknüpft. Demgegenüber stellt das Jugendhaus durch seine zentrale und schulnahe Lage eine gute Alternative dar, hat aber ebenfalls begrenzte Öffnungszeiten und sollte nur ein Treffpunkt von vielen sein  (- jeden Tag im selben Restaurant essen wird mit der Zeit eben auch eintönig). Deshalb sind nicht-pädagogisierte Anlaufstellen ohne Konsumzwang mindestens ebenso wichtig. Einen passenden Ort dafür zu finden ist gar nicht so leicht, denn Zusammenkünfte größerer Gruppen sind zwangsläufig von einem gewissen Geräuschpegel begleitet, der selbst in Zimmerlautstärke ggf. Anwohner*innen stören kann.

Gleichzeitig (und vielleicht auch deswegen) fühlen sich junge Menschen im öffentlichen Raum häufig unerwünscht und werden auch regelmäßig auf (nicht immer) freundliche Weise aufgefordert, das Treffen aufzulösen oder sich einen neuen Platz zu suchen, an dem sie vielleicht dann weniger (bzw. andere) stören. Für uns ist dieses Thema kein reiner Generationenkonflikt, denn der Wunsch nach einer hohen Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum ist ebenso universell wie der Wunsch, zu Hause einen ruhigen, störungsfreien Abend zu verbringen.

Aber uns machen diese Entwicklungen Sorgen. Wir alle gehören zu Gerlingen und es sollte uns möglich sein, anders, d.h. offen, im Dialog und ohne gegenseitige Vorbehalte, miteinander umzugehen.

Unter diesen Voraussetzungen ist vor nun über 20 Jahren Grillplatz durch den damaligen Jugendgemeinderat initiiert worden. Die Grillstelle in Richtung Ditzingen war lange ein attraktiver Ort für Jung und Alt, egal ob zum Abhängen mit Freunden oder für den Ausflug mit der Familie. Doch diese Zeiten sind leider vorbei.Neben der sehr bürokratischen Veranstaltungs-Anmeldepflicht lädt der Grillplatz auch durch die spartanischen Betonbänke und -Tische kaum mehr ein, wirklich lange zu verweilen. Zwar ist diese Gestaltung auf den ersten Blick nachvollziehbar – fiel doch die ursprüngliche Ausstattung heftigem Vandalismus zum Opfer. Auf den zweiten Blick erkennt man aber (mal wieder) die Abstrafung der großen Mehrheit, die sich dort friedlich und vernünftig verhalten hat, wegen des idiotischen Verhaltens einiger weniger (eine ähnliche Diskussion findet aktuell über das Schulgelände im Stadtkern statt.)  Ein wichtiger Schritt in der Zukunft muss daher sein, solche Anlaufstellen gemeinsam zu schaffen, sodass eine gewisse Eigenverantwortung für diese Plätze entsteht. Am Beispiel des Grillplatzes könnte man diesen gemeinsam mit Nutzer*innen neu gestalten. Das Jugendcafé Konfus zeigt hervorragend, wie sorgsam sich junge Bürger*innen um „ihre“ Rückzugsorte kümmern können.

Unabhängig davon ist es aber mit nur einer Anlaufstelle nicht getan. Auch zentrumsnah ist der Bedarf für attraktive Aufenthaltsorte groß. Aber wie kann hier ein Interessensausgleich zwischen Nutzer*innen und Anwohner*innen stattfinden? Eine Lautstärkeregelung oder gar eine Schallschutzwand sind weder attraktive noch praktikable Lösungen. Wir sind der Überzeugung, dass sich Zusammenleben am besten gemeinsam gestaltet, daher begrüßen wir ausdrücklich den Austausch zwischen Besucher*innen und Nachbar*innen von beliebten Treffpunkten, den der Sozialausschuss in seiner letzten Sitzung angestoßen hat. Vielmehr noch – wir als Junge Gerlinger sehen uns dazu verpflichtet, diesen Dialog zu fördern, haben wir in Gerlingen doch die besten Kontakte in „die Szene“. Auch in Zukunft, für das Ausloten weiterer potenzieller Standorte, fordern und begrüßen wir die gemeinsame Kommunikation – mit einem offenen Ohr für die Bedürfnisse des jeweils anderen. Denn gute politische Entscheidungen müssen die Wünsche der jungen Bevölkerung genauso berücksichtigen wie die aller anderen.

Nach dem die Dringlichkeit der Sache bei der ISEK-Klausur der Gemeinderates nochmal verdeutlicht wurde, haben nun auch andere Fraktionen ihr Herz für junge Mitbürger*innen entdeckt und einen Antrag zum o.g. Thema gestellt. Das freut uns sehr – mögen diese Bemühungen im Sinne der jungen Bürger*innen auch nach der Kommunalwahl im Mai noch lange währen…

Robin Kruck und Judith Stürmer