Liebe Damen und Herren,

sieht man unser Stadtentwicklungskonzept heute hier liegen, dann könnte man sich wundern, wie zwei Jahre intensive Arbeit, mit der Beteiligung hunderter Bürgerinnen und Bürger in nur 90 Seiten wiederzufinden sind. Aber unser Papier hat es wirklich in sich – wie meine Vorredner es ja bereits aufgezeigt haben.
Wir verabschieden heute 16 Ziele mit fast 200 zugehörigen Maßnahmen, die die Leitlinien für die Entwicklung unserer Stadt im kommenden Jahrzehnt sein sollen. Unserem Stadtbaumeister Herrn Günther schlottern vermutlich bereits etwas die Knie, wenn er sieht, wie viele der genannten Maßnahmen dem Stadtbauamt zugeordnet sind. Andererseits dürfen wir uns nicht von unseren Zielen abbringen lassen, nur weil der Weg der Umsetzung manchmal steinig und anspruchsvoll sein kann.
Wir Junge Gerlinger möchten in aller Kürze aufzeigen, wo wir die Schwerpunkte und Stärken unseres ISEK-Katalogs sehen. Als jüngste Fraktion – sowohl bezogen auf die Zugehörigkeit zum Gerlinger Gemeinderat, als auch auf das tatsächliche Alter, blicken wir dabei zunächst ganz weit in die Zukunft:
Als langfristiges Ziel hat es uns besonders die Idee des Gerlinger Bürgerparks angetan. In der Innenstadt scheint so zusammenzukommen, was zusammen gehört und die Gerlingerinnen und Gerlinger gewinnen dadurch Raum um zu spazieren, genießen, toben, flanieren oder einfach nur chillen. Wenn wir uns dieses Gerlingen der Zukunft vorstellen, dann ist es eigentlich schon selbstverständlich, dass in der Gerlinger Kernstadt keine Autos mehr fahren – diese nutzen nämlich die bis dahin geschaffene Möglichkeit, die Innenstadt zu umfahren.
Mittelfristig werden wir, wie auch in den vergangenen 10 Jahren, mit Nachdruck die Umsetzung unseres „Lieblingsziels“ verfolgen: die stärkere Berücksichtigung der Interessen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Dass dieses Ziel so deutlich formuliert und an prominenter Stelle im ISEK zu finden ist, verdankt Gerlingen dem intensiven Engagement zahlreicher junger Menschen im ISEK-Prozess aber auch der Offenheit vieler Erwachsener, die sich der Zukunft nicht verschließen. Dafür sind wir sehr dankbar.

Um dieses Ziel zu erreichen, sollte in naher Zukunft die aufgeführte „Denkfabrik Junges Gerlingen“ stattfinden – und genau wie im Konzept dargestellt, sollten wir uns bemühen, hier einen Querschnitt der jungen Bevölkerung zu erreichen.
Genauso rasch müssen aber auch die Überlegungen dazu, wie es denn nun mit dem Jugendhaus weitergeht, konkreter werden. Das B15 ist und bleibt einer der wichtigsten Anlaufstellen für die Jugend und darf nicht mehr weiter stiefmütterlich behandelt und geflickt werden.
Weitere Themen, mit denen sich der Gemeinderat mittelfristig – d.h. für uns bis zum Ende der kommenden Legislaturperiode – beschäftigen muss, sind die „Klassiker“ der letzten Jahre: Wohnen und Mobilität.
Die aktuelle Entwicklung der Mietpreise bestärkt uns in der Ansicht, dass an Quoten für preisgünstigen Wohnraum in Neubaugebieten kein Weg vorbeiführt. Diese Lösung ist zwar nicht nur unkritisch zu sehen – in Ermangelung einer perfekten Idee aber gar nichts zu tun, wäre für uns nicht entschuldbar.
Uneingeschränkt angesprochen hat uns wiederum die Idee von Mobilitätspunkten. Verschiedene Fortbewegungsarten werden gebündelt und zusammengebracht – das ermuntert zum Ausprobieren und vereinfacht den Umstieg vom Auto.
Der Thema Mobilität bringt mich auch schon zu den kurzfristigen Maßnahmen, die wir gerne so rasch wie möglich umsetzen wollen. Als allererstes ist da der Antrag der Jungen Gerlinger zum Thema Parkraummanagement zu nennen, der seit September 2018 auf eine Behandlung in diesem Gremium wartet. Das ISEK macht deutlich, wie dringend es notwendig ist zu prüfen, wo in Gerlingen Anwohnerparken mit Parkraummanagement möglich, notwendig und sinnvoll ist – worauf warten wir noch?
Und auch sonst sollten wir die scheinbar kleinen Maßnahmen nicht vernachlässigen. Gerade diese sind es, die den Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Alltag positiv auffallen und ihnen zeigen: Das ISEK lebt und zeigt Wirkung. Lassen wir also keine Zeit verstreichen, sondern machen uns lieber direkt an die Kleinigkeiten, die wir schnell angehen können: Bessern wir Radwege aus, stellen wir mehr Sitzgelegenheiten in Wohngebieten und der Innenstadt auf, bemühen wir uns um die Möglichkeit einer Fahrradmitnahme in Bussen und passen wir Ampelschaltungen an, die schon 2017 beim Fußverkehrscheck bemängelt wurden – um nur einige Beispiele zu nennen.
Wir wünschen uns, dass das ISEK uns im kommenden Jahrzehnt – und vielleicht auch darüber hinaus – ein ständiger Begleiter ist und wir konsequent daran arbeiten, unsere ambitionierten Ziele zu erreichen. Sofort umzusetzen, was unkompliziert und rasch machbar ist, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Abschließend gilt unser Dank Weeber und Partner, die uns hervorragend begleitet haben und natürlich ganz besonders allen, die an der Erstellung beteiligt waren: Stadtverwaltung, Gemeinderat und ganz besonders der Bürgerinnen und Bürgern.