Wenn Sie, liebe Leser*innen, diesen Artikel vor sich haben, dann ist das Ergebnis der Kommunalwahlen in Gerlingen bereits bekannt. Sie und wir wissen dann schon, welche 22 Personen in den kommenden fünf Jahren die Entwicklung unserer Stadt begleiten werden und ob / wie viele Junge Gerlinger dabei mit am Tisch sitzen werden. Wir verfassen diesen Text jedoch zu einem Zeitpunkt, an dem wir gewissermaßen in der Schwebe sind – der Wahlkampf ist zu Ende, das Ergebnis kennen wir aber auch noch nicht. Für uns bedeutet das einen ruhigen Moment, in dem wir sowohl zurück, als auch nach vorne blicken.

Was liegt hinter uns?

Im Oktober 2018 erarbeitete eine fleißige Gruppe Junge Gerlinger ein Konzept, das abbildete, wie wir uns im Vorfeld der Wahl präsentieren wollten. Dabei schreckten wir nicht vor einer langen To-Do-Liste zurück. Neben dem „offensichtlich Notwendigen“, wie Plakaten, Informationsmaterial oder der Bekanntmachung unserer Kandidat*innen, gab es eine große Wunschliste: eine vielfältigere und bunte Präsenz im GAZ sollte her, genauso wie Give-Aways – Kugelschreiber, Feuerzeuge, Sticker –  und ein Roll-Up für eine gesteigerte öffentliche Wahrnehmung. Wir wollten persönliche Briefe an alle Erstwähler*innen schreiben und eine Runderneuerung unserer Homepage sollte am besten auch noch erfolgen. All das sollte auf Kosten unserer jungen Truppe gehen – im wahrsten Sinne des Wortes, denn alle entstehenden Ausgaben mussten wir privat stemmen.  Die Tatsache, dass wir uns am Ende tatsächlich all diese Wünsche erfüllen konnten, ist ausschließlich dem unglaublichen persönlichen Engagement zahlreicher junger Gerlinger*innen zu verdanken. Zahllose, manchmal nicht enden wollende Treffen der „Taskforce Wahlkampf“; intensive, lange Abende zu den verschiedenen Unterthemen, in denen jede*r das einbringt, was ihm/ihr am meisten liegt: Hier entsteht das Gerüst für die neue Homepage; dort plant eine Gruppe die Reihenfolge der Artikel für den GAZ; in einer anderen Ecke designen wir in Eigenregie sämtliche Plakate, Flyer und Werbematerialien und, und, und… Wir möchten die Gelegenheit nutzen, all denen, die sich in irgendeiner Form an unserem Wahlkampf beteiligt haben von Herzen zu danken. Ganz egal, wie das Ergebnis inzwischen ausgefallen sein mag: So erfolgreiches Teamwork findet man nicht oft und wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben.

Was geht verloren?

Zahlreiche neue Gesichter lenken nun die Geschicke der Stadt. Bevor diese ihre Arbeit aufnehmen können, stehen auch Abschiede von mindestens sieben Kolleg*innen an, die sich entschieden hatten, nicht wieder anzutreten. Wir wünschen allen scheidenden Stadträt*innen alles Gute – zu zweien von ihnen möchten wir einige Worte sagen. Zum einen verlässt mit Frank Moll (SPD) ein Kollege das Gremium, der fraktionsübergreifend und auch besonders von uns Jungen Gerlingern für seinen Sachverstand, nicht nur im finanziellen Bereich, geschätzt wird. Aus unserer Sicht war Frank viele Male eine mahnende Stimme, die das Gremium erdete und zur Vernunft rief, wenn es notwendig war. Für den Stadtrat ist sein Ausscheiden ein schwerer Verlust und wir werden ihn ganz sicher schmerzlich vermissen. Zum anderen wird auch unsere Fraktion sich verändern, da Robin Kruck sich ebenfalls nicht wieder zur Wahl gestellt hat. Robins Wahl 2014 war für uns wie für ihn überraschend – hatten wir doch höchstens in unseren Träumen geglaubt, dass wir tatsächlich drei Sitze erlangen würden. Allerdings zeigte sich schnell, welch riesige Bereicherung Robin für unsere Fraktion und den Gerlinger Gemeinderat darstellt. Egal zu welchem Thema beraten wird: Robin prüft jede Vorlage auf Herz und Nieren und stellt nicht selten entwaffnende Fragen, die uns vor so manchem Fehlschluss bewahrt haben. Auch intern ist Robin ein unermüdlicher „Schaffer“. Wenn auf einer Klausur der Jungen Gerlinger um 23.30 Uhr noch jemand hinter seinem Laptop sitzt und die Ergebnisse der geleisteten Arbeit zusammenfasst, aufbereitet, auswertet oder „noch kurz ein paar Ideen weiterstrickt“, dann ist das in der Regel Robin. Dazu kommt sein unvergleichlich sonniges Gemüt. Egal wie stressig oder lang eine Arbeitssitzung ist, Robin ist nicht aus der Ruhe zu bringen, holt alle mit seiner guten Laune und seinem Humor wieder ins Boot und bringt uns heil und zufrieden durch jeden Termin. Lieber Robin, eigentlich können und wollen wir uns den Gemeinderat ohne dich nicht vorstellen – fachlich, ganz besonders aber auch menschlich. Wir verlieren dich als Stadtrat – aber als Freund und Junger Gerlinger bleibst du uns hoffentlich noch viele, viele Jahre erhalten!

Was liegt vor uns?

Jede Legislaturperiode eines Gemeinderates ist auf ihre Weise spannend und komplex. 2019-2024 wartet jedoch mit besonders aufregenden Fragen auf: Wer wird Gerlingens neues Stadtoberhaupt, wenn Bürgermeister Brenner Anfang 2020 in den Ruhestand eintritt? Wie garantieren wir eine konsequente Arbeit an den Zielen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK), wenn die „alltägliche“ Arbeit uns bereits voll einnimmt? Wie entwickelt sich Gerlingen weiter, wenn mit dem Leonberger Weg West das letzte vorgesehene Baugebiet in die Entwicklung geht? Wie verstehen und leben wir Politik in einer Gesellschaft, die zunehmend auseinanderzudriften scheint? Es sind große Aufgaben, vor denen der zukünftige Gemeinderat steht. Wir Junge Gerlinger sind bereit, uns diesen zu stellen und werden sie weiterhin mit großem Verantwortungsbewusstsein angehen. Das alleine reicht allerdings nicht. Allen neu gewählten Stadträt*innen gratulieren wir deshalb nicht nur, sondern wünschen ihnen für die anstehende Arbeit die notwendige Sorgfalt, Kollegialität, Menschlichkeit, Umsicht und Geduld.

Judith Stürmer