Im Finanz- und Verwaltungsausschuss vom 18.09. wurde über die Ausweisung eines weiteren Waldrefugiums abgestimmt. Ein Waldrefugium – das klingt umweltfreundlich, das klingt nach einer Forderung, die aktueller nicht sein könnte und die die junge Generation in Zeiten von Fridays for future begrüßen sollte.

Wir Junge Gerlinger haben diese Forderung im FVA jedoch bereits zwei Mal abgelehnt und haben diese Meinung auch am 02. Oktober im Gemeinderat vertreten. Warum?

Fangen wir vorne an: Was ist ein Waldrefugium genau?

In einem Waldrefugium wird ein bestimmter Teil des Waldes sich selbst überlassen und kehrt langsam zu seinem ursprünglichen Zustand zurück. Durch diese Maßnahme werden der Stadt Ökopunkte gutgeschrieben, die wir in Zukunft bei anderen Eingriffen in die Natur „einlösen“ können.

Wieso wurde der Standort Esselsklinge ausgewählt?

Das Waldstück an der Esselsklinge ist so gelegen, dass es ohnehin kaum bewirtschaftet werden kann. Derzeit nehmen die Förster nur gelegentlich kleinere Eingriffe vor. Das Waldstück ist einem Refugium, in dem es gar keine Eingriffe mehr geben darf, also ohnehin schon relativ nah.

All das klingt toll – wieso also die Gegenstimmen?

Die Ausweisung des Refugiums würde bedeuten, dass sich in diesem Teil des Waldes eine Monokultur bildet. Die im Gerlinger Wald vorherrschende Buche würde andere Baumarten verdrängen. Dies bedeutet einen Verlust der Biodiversität in diesem Waldgebiet unter dem Flora und Fauna leiden. Ein Mischwald ist für die Bewohner des Waldes sowie andere Pflanzenarten und die Ökologie das Beste – was uns der Gerlinger Förster im Übrigen bereits vor Monaten auf Nachfrage im Finanz- und Verwaltungsausschuss versichert hat.

Die momentan betriebene Minimalbewirtschaftung garantiert, dass nur so viele Eingriffe in das Ökosystem geschehen, wie wirklich notwendig sind, um den Mischwald zu erhalten. Dieses „Refugium light“ ist für den Wald und seine Bewohner die gesündeste und beste Lösung – und daher auch für uns. Für diese Option werden uns zwar keine Ökopunkte zur Verfügung gestellt, aber echte Ökologie sollte dem Gemeinderat wichtiger sein als ein paar Punkte auf dem Ökokonto. Weil unsere Kinder und Enkel nichts davon haben, dass eine Monokultur in den Wald zurückkehrt, verzichten wir auf Symbolpolitik und sprechen uns für die wirklich ökologische Variante aus: Herausnahme aus der Bewirtschaftung mit regulierenden Eingriffen.