Im Januar hörten wir es von Oberbürgermeister unserer Nachbarstadt: „Dagobert Duck verlässt den Geldspeicher“. Gemeint war damit unser scheidender Schultes Herr Brenner.

Kaum war Dagobert fort, zog der neue Hüter der Reichtümer, gewählt von den Bürgern der Stadt, in den Geldspeicher ein – „Dirkobert Oestringer“, der neue Talermeister.

Nachdem alle Mitarbeiter*innen im Geldspeicher mit Berlinern begrüßt wurden, ist es Zeit für das berühmte Bad in den Talern. Auf dem Weg dorthin wird der Talermeister von der Geldspeicher-erfahrenen Frau Koch-Haßdenteufel und Goldbarren-Hüter Herr Kern aufgehalten und gewarnt: Sinkender Pegelstand!

Damit spielen die beiden unter anderem auf die Panzerknacker an, die wie jedes Jahr versuchen, an den Reichtum aus dem Geldspeicher zu kommen. Dieses Mal geschieht das sogar ganz legal, das Geld wird einfach in Form von Kreis- und FAG-Umlage abgezapft.

Doch das ist nicht alles: Insgesamt 50 Millionen € an Zahlungsmitteln gehen im Jahr 2020 verloren. Wird weiter so gewirtschaftet wie geplant, so stehen zum Jahresende nur noch 26 Millionen € fürs Talerbad zur Verfügung. Die mittelfristige Planung zeigt außerdem: Ende 2023 reduziert sich der Pegelstand auf nur noch acht Millionen! Sollten Einnahmen wegfallen droht gähnende Leere im Geldspeicher – die Austrocknung! Doch noch reicht es –hinein ins Talerbad!

Der Pegelstand ist Erschreckend genug – doch dann wir dem neuen Talermeister klar: In den aktuellen Berechnungen sind viele Notwendigkeiten und Wünsche noch gar nicht berücksichtigt:

Seine Großneffen Tick, Trick und Track freuen sich besonders über die neue Turnhalle und das eingestellte Geld für die Roten Plätze im Breitwiesen. Gleichzeitig wünschen sie sich aber schon seit Jahren ein neues Jugendhaus, in dem sie ihre Freizeit verbringen können.

Geschichtsinteressierte Bürger*innen warten darauf, dass das Hauptgebäude des Stadtmuseums endlich barrierefrei und modern (statt nur erweitert) wird.

Daisy und Donald Duck fragen immer wieder ungeduldig nach, wann über die Zukunft des Alten Rathauses entschieden wird und wann sie endlich einen romantischen Abend in der dort untergebrachten Gastronomie verbringen können.  Dabei haben die beiden einen guten Blick auf das Hirsch-Areal, das wegen seiner zentralen Lage behutsam aber ansprechend weiterentwickelt werden will.

Auch Feuerwehr und DRK wünschen sich, dass es nicht nur bei der eingestellten Planungsrate für die gemeinsame Weiterentwicklung bleibt.

Sollte die Stadt irgendwann die 20.000 EW-Marke knacken und zur Großen Kreisstadt werden muss außerdem die Frage gestellt werden, ob noch alle Mitarbeiter*innen einen Platz finden, oder ob der Geldspeicher eine Erweiterung benötigt.

Bleibt im Geldspeicher also bald nur noch der Glückszehner, der erste verdiente Taler übrig?  Der Talermeister braucht frische Luft und macht sich zu einem Spaziergang durch Gerlingen auf. Seine Laune hebt sich wieder, als er an der Baustelle der Realschule vorbeikommt, wo es gut voran geht und viele Millionen zukunftsorientiert investiert wurden. Vor Ort träumt der Talermeister sogar ein wenig vom Gerlinger Bürgerpark aus dem ISEK, der sich vom Rathaus bis hin zur Brückentorhalle erstreckt – aber wird es überhaupt möglich sein, dies zeitnah anzugehen oder haben andere Themen Vorrang?

Auf dem weiteren Weg fällt ihm die große Zahl geparkter Autos in der Stadt auf. Gibt es denn nicht genug Garagen? Schnell zurück in den Geldspeicher, dort erhält er die Information: An Garagen mangelt es nicht und diese werden auch bestimmungsgemäß als Abstellmöglichkeit genutzt – häufig nur leider nicht für das Kraftfahrzeug, sondern für viele andere Dinge. Da kommt der Talermeister eine Idee: In den Unterlagen seines Vorgängers hatte er doch etwas dazu gelesen – rasch durchsucht er seine Dokumente. Und tatsächlich, er findet einen Antrag der Fraktion der Jungen Gerlinger aus dem Jahr 2018 – Machbarkeitsuntersuchung für ein Parkraummanagement! Das sollte Abhilfe schaffen! „Das würde sich doch bestimmt gut in meinem Programm fürs erste Amtsjahr machen!“, denkt der Talermeister.

Sein Rundgang durch den Geldspeicher und die Stadt haben dem Talermeister vieles klar gemacht. Er ruft seine Mitarbeiter*innen und Stadträt*innen zusammen und macht klar: Wenn das Geld weiter so rasch schwindet, ist das Talerbad in Gefahr! Soweit darf es nicht kommen. Die Fraktion der Jungen Gerlinger ist auch zur Besprechung erschienen und trägt ihre Gedanken vor:

  • Auch wenn dabei in letzten Jahren schon Fortschritte gemacht wurden, müssen Investitionen und ihre Folgekosten noch genauer überprüft und abgewogen werden.
  • Die ISEK-Maßnahmen sollten detailliert priorisiert werden
  • die Kosten für einzelne Maßnahmen (wie z.B. den Jakobsplatz) sollten wir frühzeitig deckeln
  • und den kostenintensiven Standard vor Ort skeptisch unter die Lupe nehmen, v.a. bei neuen Projekten.

Nach der Besprechung will der Talermeister gerade wieder losgehen um neue Geldquellen aufzutun, da kommt die Nachricht vom Gesundheitsministerium – leider muss er im Geldspeicher bleiben: Ansteckungsgefahr, wegen Corona. Neben der zunehmend angespannten Finanzlage also noch eine weitere Herausforderung.

Wir wünschen

  • Herrn Oestringer und seiner gesamten Mannschaft dabei stets das glückliche Händchen von Gustav Gans;
  • und dem Gemeinderat einen verantwortungsvollen Umgang mit den schwindenden Mitteln im Geldspeicher.

Dem Haushaltsplan für das Jahr 2020 stimmt die Fraktion der Jungen Gerlinger zu.