In diesem Artikel geht es um Menstruation.

Als wir uns zusammengetan haben, um diesen Artikel zu schreiben, haben wir uns überlegt, warum es nicht üblich ist, dass Menstruationsartikel auf öffentlichen Toiletten kostenlos zur Verfügung stehen. Je länger wir darüber nachgedacht haben, desto absurder erschien es uns, dass dies noch nicht längst Realität ist. Schließlich muss sich die Hälfte der Weltbevölkerung im Laufe ihres Lebens zwangsweise mit Menstruation auseinandersetzen. Im Schnitt blutet eine menstruierende Person zusammengerechnet etwa 7 Jahre ihres Lebens. In dieser Zeit und darüber hinaus muss man sich mit allem was dazu gehört beschäftigen:

Krämpfe, Migräne, PMS, Gliederschmerzen sind nur einige der Beschwerden, denen man ausgesetzt ist. Auch das Kaufen, Entsorgen und die eigenverantwortliche Verfügbarkeit von Hygieneartikeln gehören zum Alltag. Daher stellen wir uns die Frage, warum keine allgemeine Bereitstellung gewährleistet ist – denn es sprechen so viele gute Gründe dafür, dass Tampons und Binden auf öffentlichen Toiletten jederzeit kostenlos zugänglich sind.

Zunächst würde es das Problem lindern, welches jede menstruierende Person kennt, keinen Periodenartikel bei sich zu haben und so ein Wettlauf gegen die Zeit entsteht. Wird dieser verloren, endet es mit Blut in der Unterhose oder es werden unhygienischen Notlösungen gefunden, wie zum Beispiel Klopapier als Bindenersatz. Apropos Klopapier: Wie kommt es eigentlich, dass es überall selbstverständlich und frei zur Verfügung steht und Menstruationsartikel hingegen nicht?

Niemand sucht sich aus, dass die Gebärmutterschleimhaut einmal im Monat abgestoßen wird. Es ist aus gesundheitlichen und hygienischen Gründen unumgänglich, dass das Gemisch aus unter Anderem Blut und Gewebe, das dadurch entsteht, aufgefangen wird. Warum sind Tampons und Binden also kein frei zugängliches Gut?

Besonders für junge Menschen stellt dies ein Problem dar. Nach dem Einsetzen der ersten Menstruation (Menarche) dauert es bis zu zwei Jahre bis der Zyklus eine Regelmäßigkeit bekommt. In dieser Zeit ist es schwer einzuschätzen, wann die Periode eintritt. Da die Blutung dann plötzlich und unerwartet eintritt, kann es schnell passieren, dass man keinen Artikel zur Hand hat. Dies kann unter anderem dazu führen, dass in dieser Zeit nicht in die Schule gegangen wird. Dazu kommt, dass Menstruation immer noch ein gesellschaftliches Tabuthema ist und die Angst groß ist, dass Klassenkamerad*innen mitbekommen, dass gerade die Periode eintritt oder auch rote Flecken auf der Hose zu erkennen sind.

Aber auch nach der Pubertät ist das Problem nicht gelöst. Schmierblutungen können außerhalb der Menstruation auftreten, ohne dass man sich darauf vorbereiten kann.

Eine flächendeckende kostenfreie Bereitstellung von Hygieneartikeln würde für viele Menschen den Alltag vereinfachen. In Einrichtungen in denen Tampons und Binden bereits zur Verfügung stehen, ist die Resonanz sehr positiv und das Angebot wird gut angenommen.

Eine erste Anfrage unsererseits eine Bereitstellung der Artikel in Gerlingen zu etablieren, war leider nicht erfolgreich. Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass dies eine Debatte sei, die auf der Bund-/Länderebene geführt werden müsse. Außerdem gäbe es keine einzige Kommune in Baden-Württemberg, die diese freiwillige Leistung erbringen würde. Wir sehen darin allerdings die Chance eine Vorbildfunktion einzunehmen und andere Städte zum Nachahmen zu motivieren. Wir hoffen, dass in weiteren Gesprächen eine gute Lösung gefunden werden kann.

Übrigens wird es in immer mehr Ländern auf der Welt Pflicht, dass Binden und Tampons gratis auf öffentlichen Toiletten zur Verfügung stehen. Zuletzt wurde in Frankreich beschlossen, dass Studierende Zugang zu kostenlosen Menstruationsartikeln erhalten.

Für die Jungen Gerlinger

Rebekka Köhler und Lukas Kuntz

In diesem Artikel haben wir uns bewusst dazu entschieden, auf geschlechterspezifische Bezeichnungen zu verzichten, da wir nicht-binäre Menschen und trans Menschen nicht ausschließen möchten.