Unsere Fraktion hat in der vergangenen Gemeinderatssitzung ihre Enttäuschung über das verabschiedete Mobilitätspaket geäußert. Hier im GAZ  möchten wir heute eine andere Perspektive aufzeigen: Es kommen die Menschen zu Wort, die unsere Vorschläge in intensiver Arbeit mitentwickelt haben.

Am 25.11.2020 hat der Gemeinderat bei drei Enthaltungen der Jungen Gerlinger 25 Maßnahmen beschlossen, mit denen die Mobilität der Gerlinger Bürger_innen gefördert werden soll. Hierbei ging es explizit nicht darum, dem für die kommenden Jahre mit wissenschaftlicher Unterstützung geplanten Mobilitätskonzept vorzugreifen. Die Basis war ein Ideenwettbewerb im Gemeinderat – eine neue und interessante Vorgehensweise. Es sollten Maßnahmen ausgewählt werden, die mit einem eng gesteckten Rahmen ohne große Auswirkungen auf das Gesamtkonzept schnell spürbare Verbesserungen bringen sollten.

Das Ergebnis wirft die Frage auf, ob es einer Stadt würdig ist, die sich auf ihrer Homepage einer “ausgezeichneten Infrastruktur” rühmt. Wir sehen nun am Ende des Prozesses ein insgesamt sehr mut- und kraftloses „Maßnähmchenpaket“. Fehlt der Blick auf die Bedürfnisse kommender Generationen, gerade im Bereich des Klimawandels? Gab es Kostenbedenken? Oder stand hier der Wunsch im Vordergrund, vor dem Gesamtkonzept möglichst nichts zu verändern?

Unserer Ansicht nach gehören Maßnahmen wie der Hinweis auf die durchzuführende Grünpflege am Straßen- und Wegrand genauso wie der Austausch eines ausgeblichenen Vorfahrtsschilds nicht in ein Paket, das den Anspruch hat, die Gerlinger Mobilität zu verbessern. So sinnvoll diese Tätigkeiten auch sind, hier gilt: dies sind laufende Aufgaben der Verwaltung. Wo ist hier die Veränderung? Auch die Anbringung von Piktogrammen zur gegenseitigen Rücksichtnahme erscheint uns weder als besonders zielführend noch als besonders innovativ oder gar richtungsweisend.

Wir hätten uns mehr Mut gewünscht, bestehende Verkehrsstrukturen aufzubrechen und im Sinne des Kampfes gegen den Klimawandel mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr zu schaffen. Oder eine Steigerung der Verkehrssicherheit herbeizuführen, indem weitere Tempolimits geschaffen sowie durchgesetzt werden. Oder vieles anderes. Die lange Liste mit unseren Themenvorschlägen finden Sie auf unserer Website https://www.junge-gerlinger.de/mobilitaet – wir finden davon leider so gut wie nichts in diesem Paket wieder.

Es spricht Bände über die Stellung des Radverkehrs in unserer Stadt, dass Vorhaben wie die Reparatur eines Radwegs es als gesonderte Maßnahmen in die Liste geschafft haben. Allerdings: die Errichtung von zusätzlichen Fahrradparkmöglichkeiten sowie einer Fahrradreparaturstation sind erfreuliche Entwicklungen.

So bleibt insgesamt festzustellen, dass das Gesamtpaket zwar enttäuschend kraftlos wirkt, jedoch auch einige Verbesserungen bringen könnte, weshalb wir uns auch nur mehrheitlich enthalten und das Paket nicht rundheraus abgelehnt haben. Für die Zukunft, insbesondere für das „große“ Mobilitätskonzept, hoffen wir jedoch auf besseres und dafür werden wir uns auch weiterhin mit vollem Elan einsetzen.

David Mändlen für die AG Mobilität und Verkehr