Oft sind es die kleinen Dinge im Alltag, die uns Freude bringen – oder aber uns aufregen. Im Breitwiesen gibt es dafür ein Beispiel: eine kleine Sache, die zahlreiche Gerlinger*innen Tag für Tag Nerven kostet. Es ist die Ampel, die über die Breitwiesenstraße führt, von der RegioRad Station zur U-Bahn-Haltestelle in Fahrtrichtung Stuttgart. Tag für Tag überqueren hier zahlreiche Menschen die Straße, viele auf dem Weg zur Bahn, aber auch Grundschüler*innen auf dem Weg zur Breitwiesenschule. So sammeln sich die unterschiedlichsten Menschen an dieser Ampel um gemeinsam zu warten, bis man sicher die Straße überqueren kann – und das kann dauern. Denn in der Regel wartet man mehrere Minuten und hat nur allzu viel Gelegenheit, das rote Ampelmännchen bis ins kleinste Detail zu studieren.

Mit Sicherheit gibt es mehrere schlechte Ampelschaltungen in Gerlingen, wieso interessiert uns diese also besonders? Blicken wir zurück:

2015: Die Jungen Gerlinger fragen erstmals bei der Stadt an, ob die Ampelschaltung angepasst werden kann, da wir die Verkehrssituation für gefährlich halten. Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit zurück: Über Rot gehen war eigentlich Tabu – an dieser Ampel machten wir aber häufig schon als junge Schüler*innen eine Ausnahme, weil sie „ja eh nie grün wird.“ Heute ist eher zu beobachten, dass einzelne Schulkinder die Straße weiter oben überqueren, was aber ebenfalls unnötig gefährlich ist.

2017: Fußverkehrscheck im Breitwiesen. Mehrere Bürger*innen sprechen die Ampelschaltung an und bitten um rasche Umstellung. In der Dokumentation wird auf S.43 festgehalten: „[…] wird offensichtlich, dass an der Lichtsignalanlage die Fußgänger sehr lange warten müssen, was bei der Querung einer relativ schmalen Fahrbahn zur Nichtbeachtung der Lichtzeichen führt.“ Einige beschreiben ihr morgendliches Dilemma: Man macht sich rechtzeitig zur Bahn auf, steht mit einigen Kindern an der Ampel und wartet mal wieder minutenlang. Dann sieht man die Bahn herannahen und steht vor der Wahl, als schlechtes Vorbild über die Straße zu rennen oder die Bahn zu verpassen. Eine „Verlängerung der Phase für Zufußgehende über die Breitwiesenstraße“ wird als besonderer Handlungsbedarf festgestellt (S.16).

Juni 2018: Stadtteilspaziergang im Gehenbühl zum Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Auch hier wird von Bürger*innen auf die schlechte Ampelschaltung hingewiesen. Tatsächlich schafft es die Maßnahme sogar ins ISEK: Auf S.132 ist zu lesen „Grünphasen für Fußgänger verlängern, z.B. bei Breitwiesenhaltestelle.“

April 2019: Das ISEK wird vom Gemeinderat verabschiedet. In unserer Rede betonen wir unter anderem: „Und auch sonst sollten wir die scheinbar kleinen Maßnahmen nicht vernachlässigen. Gerade diese sind es, die den Bürgerinnen und Bürgern in ihrem Alltag positiv auffallen und ihnen zeigen: Das ISEK lebt und zeigt Wirkung.“

Nach fünf Jahren stehen wir (wortwörtlich) immer noch an der selben Stelle. Natürlich gibt es dafür Gründe: Die Stadtverwaltung ist bestens ausgelastet, insbesondere im Baubereich. Turnhallen wollen gebaut, die Realschule saniert werden und irgendwo zeigt sich immer unerwartet dringlicher Handlungsbedarf. Zudem kann man nicht einfach mit einem Griff an die Zeitschaltuhr die Grünphase für Fußgänger verlängern. Hier geht es um eine komplexe Kreuzungssituation mit mehreren Auto- und Fußgängerampeln und die Bahn ist auch noch mit von der Partie. Andererseits könnte hier mit vergleichsweise geringem Aufwand ein Umstand behoben werden, der offensichtlich schon lange zahlreiche Bürger*innen täglich verärgert und zudem Gefahren birgt.

Auch für solche kleinen Themen muss in der „großen Stadtpolitik“ Platz sein. Die Stadt Gerlingen hat hier die Chance, für viele Bürger*innen aus einem täglichen Ärgernis eine kleine Freude zu machen. Vielleicht klappt’s ja 2020 endlich – wir bleiben dran.

Für die Jungen Gerlinger
Judith Stürmer