Es ist Herbst. Die Tage werden kürzer, die Nächte werden länger. Gärtner oder Kindergärtnerinnen denken und arbeiten in Jahreszeiten.  Kinder leben eher in einzelnen Tagen. Historiker denken in Jahrzehnten oder Jahrhunderten. Politiker in Wahlabschnitten. Angestellte in Projektzeiträumen. Jeder plant vor sich hin, priorisiert, legt Zeiten für to-do-Schritte fest, fängt motiviert an, justiert nach, macht weiter.  Dann kam diese Pandemie. Eine Seuche  großen Ausmaßes. Der Sommer war geprägt von Freude über die wiedergewonnenen Freiheiten. Sport machen, Freunde treffen, mit Kollegen arbeiten, Ausgehen. Mit Abstand, aber doch persönlich. Die Zeit durfte vor sich hin plätschern, weil sie voll Freude war.

Jetzt ist die Sommerpause vorbei, die Ferien sind rum, jeder war im Urlaub oder hatte frei. Jetzt könnte es losgehen mit Sitzungen, Planungen, Projekten, dem richtigen Leben. Klar mit Abstand und auf Sparkurs, aber volle Power. Doch dieses Gefühl mag sich nicht richtig einstellen. Das „richtig-Loslegen“ beginnt einfach nicht. Das Leben plätschert weiter vor sich hin. Wenn geplant wird, dann nur ein kleines Stück, bis … Ja bis man mehr weiß, bis es etwas Neues gibt, bis Weihnachten oder gar bis es wieder Frühling wird. Doch soweit kann man nicht denken. Vielleicht vier Wochen lang. Und dann schauen wir, wie die Lage ist. Dann trauen wir uns an Weihnachten zu glauben. Denn Weihnachten wird auch dieses Jahr kommen. Wie es gefeiert werden kann und darf ist unklar. Wie das nächste Frühjahr wird – darauf hoffen wir.

Was machen wir nun mit dieser Jetzt-Zeit? Wir leben mit ihr. Wir genießen, dass der Kalender für 2021 noch nicht voll ist mit Messen, Laternenläufen, Familienfesten, Vereinsterminen und Fortbildungen. Wir üben uns in Geduld mit der Urlaubsplanung für den kommenden Sommer. Vielleicht entscheiden wir spontan worauf wir Lust haben.  Wir hoffen, dass in der neuen Sporthalle Sport gemacht werden darf, wenn sie fertiggestellt ist. Wir machen vielleicht einen Herbstspaziergang mehr dieses Jahr.

Vielleicht zeigt uns die Einfachheit des Alltags, auf was wir gut verzichten können und an welchen Ecken wir sparen können.  Leben wir ein wenig in den Jahreszeiten und freuen uns am Herbststurm, denn wir können sicher sein, die Frühlingssonne wird kommen. Wir sind Parlamentarier. Aber auch wir sind Bürger dieser Stadt und leben in dieser Zeit. Wir tauschen uns über Fachthemen aus aber auch über das Leben. Denn Bürger-Vertretung hat nicht nur mit Politik sondern auch mit Verstehen und Verständnis zu tun.

Für die Jungen Gerlinger
E.M.S.